Kommunales Integrationszentrum Duisburg – Bildung, Integration und Teilhabe

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Seit dem 1. August 2013 hat die Stadt Duisburg ein Kommunales Integrationszentrum.
Wir sind DU sprach mit der Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums (KI), Elisabeth Pater, und dem stellvertretenden Leiter Marijo Terzic über Aufgaben und Schwerpunkte in der Arbeit der neuen Einrichtung.

Frau Pater, Anfang August hat das KI seine Arbeit aufgenommen. Zusammengeführt sind in der neuen Organisation die beiden ehemaligen Referate “Integration” und “Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien/RAA. Ist die Zusammenführung gelungen?

Pater: Ich denke, ja. Mit einer ‚grenzüberschreitenden’ Arbeitsweise haben wir frühzeitig darauf geachtet, gemischte Teams zu bilden, die sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus beiden ehemaligen Dienststellen zusammensetzen. In gemeinsamen Dienstbesprechungen und einem Workshop haben wir Aufgaben und Ziele der neuen Organisation KI definiert und die Kolleginnen und Kollegen hatten Gelegenheit, sich kennen zu lernen.
Leider gibt es zur Zeit noch zwei widrige Umstände, die unsere Arbeit belasten. Zum einen arbeiten wir in getrennten Gebäuden und zum anderen ist der Personalbestand nicht abschließend geklärt. Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende des Jahres darüber Klarheit haben. Anfang nächsten Jahres ziehen wir in das Gebäude der alten Kämmerei, ein Teil der Mitarbeiter des KI wird im Internationalen Zentrum untergebracht.

Herr Terzic, Grundlage für die Gründung des KI ist das Teilhabe- und Integrationsgesetz NRW. Welche Ziele sollen damit in den Kommunen erreicht werden?

Terzic: Mit dem Teilhabe- und Integrationsgesetz vom Frühjahr 2012 möchte die Landesregierung einheitliche Strukturen in der Integrationspolitik der Kommunen herstellen und der Integrationspolitik eine Verbindlichkeit verleihen. Die Querschnittsthematik wird ausdrücklich im Gesetz und den Ausführungsbestimmungen betont.
Das Land fördert bis zu fünfeinhalb Stellen in den KI’s – Voraussetzung ist, dass die Kommune ein Integrationskonzept und ein schlüssiges Konzept für ein KI erarbeitet hat. Beides lag für Duisburg vor. Zwar gibt es kein zusammenhängend geschriebenes Integrationskonzept der Stadt Duisburg, jedoch mehrere grundsätzliche Dokumente und Beschlüsse des Rates. Unter Beteiligung von Akteuren der Integrationsarbeit, auch des Integrationsrates der Stadt wurde im Frühjahr dieses Jahres ein Konzept für ein Kommunales Integrationszentrum entwickelt, vom Rat der Stadt verabschiedet und daraufhin die Förderung durch das Land beantragt. Duisburg gehört heute zu den 45 Kommunen in NRW, die ein Kommunales Integrationszentrum eingerichtet haben.

Was sind die Schwerpunkte der Arbeit des KI?

Pater: Als Fördergeber hat das Land NRW eine Erwartungshaltung, es gibt Pflichtaufgaben, die wir erfüllen müssen – wie beispielsweise die Seiteneinsteigerberatung. Darüber hinaus orientieren sich die Schwerpunkte an dem kommunalen Bedarf, wie wir ihn in unserem Konzept dargelegt haben und wie sie der Rat beschlossen hat. Die Themenbereiche „Integration durch Bildung“ und „Integration als Querschnittsaufgabe“ sind die beiden Felder, in denen wir Aktivitäten und Maßnahmen entwickeln. Im Konzept des KI haben wir vier Schwerpunkte im Bildungsbereich gesetzt, drei davon betreffen die sprachliche Bildung. Dabei spielt das Prinzip der durchgängigen sprachlichen Bildung eine große Rolle.
Im Grundschulbereich planen wir Schulteams zu qualifizieren, so dass sprachliche Bildung besser in die jeweiligen Fächer integriert wird. Denn es hat sich gezeigt, dass diese Form der Vermittlung viel erfolgreicher ist, als zusätzliche Fördermaßnahmen außerhalb des normalen Fachunterrichts anzubieten. Im Ganztag gibt es viele Möglichkeiten für sprachliche Bildung, die es zu nutzen gilt. Wir müssen es schaffen, die Kinder von der Alltagssprache zur Bildungssprache zu bringen. Alle Maßnahmen beinhalten auch Programmteile zur interkulturellen Sensibilisierung, denn sie ist natürlich Voraussetzung für einen respektvollen Umgang mit Kindern und Jugendlichen aus zugewanderten Familien.
Wir arbeiten mit zahlreichen Partnern aus dem Bildungsbereich. In der Sekundarstufe I kommen vor allem Sprachkoordinatoren zum Einsatz, die die Entwicklung der Schulen begleiten und sprachliche Bildungsmaßnahmen initiieren. In der Sekundarstufe II geht es im ersten Schritt darum, dass die Fortbildungsangebote zur sprachlichen Bildung von mehr Fachkräften als bisher genutzt werden.
Ein wichtiges Thema ist ebenfalls die Erhöhung der Chancen von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt. Hier sollen in Kooperation mit Partnern die Maßnahmen für Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere solche, die erst spät in die deutsche Schule eingestiegen sind, optimiert und ausgeweitet werden. Kein Schüler soll die Schule ohne Abschluss verlassen. Gemeinsam mit Schulen, den Kammern und Maßnahmeträgen werden wir im Rahmen des NRW – Programms “Kein Abschluß ohne Anschluss” daran arbeiten.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Chancen auf einen Ausbildungsplatz für junge Menschen aus Zuwandererfamilien – auch bei gleicher Qualifikation – halb so groß sind wie für ihre deutschstämmigen Altersgenossen. Bildung allein ist also nicht ausschlaggebend.

Pater: Es gibt andere Einflussfaktoren, z.B., dass Netzwerke bei eingewanderten Menschen gering ausgebildet sind und, dass vielfach Vorurteile bestehen. Das haben die anonymisierten Bewerbungsverfahren bei der Landesregierung NRW deutlich gezeigt.

Terzic: Am besten geht man mit gutem Beispiel voran und kehrt vor der eigenen Tür. Und dies geschieht ja bereits in Duisburg. Interkulturelle Ausrichtung, Schulungen von interkulturellen Kompetenzen der Beschäftigten gehören inzwischen zum Alltag einer Stadtverwaltung, die sich als offen und modern versteht. Die Stadt Duisburg strebt die Erhöhung des Anteils ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Zuwanderungsgeschichte an. Das soll vor allem über die Einstellung von Auszubildenden erreicht werden.

Pater: Dabei muss man natürlich nicht nur die Tatsache betrachten, dass junge Menschen eingestellt werden. Wichtig ist es zu schauen, ob sie sich auch in höherwertigen Berufen und Laufbahnen wiederfinden.

Welche weiteren Ziele aus dem Bereich „Integration als Querschnittsaufgabe“ hat sich das KI gesetzt?

Terzic: Eine Herkulesaufgabe und ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der kommenden zwei Jahre wird die Begleitung der Zuwanderung aus Südosteuropa sein, ganz einfach, weil sie allgegenwärtig ist. Hier geht es darum, Kräfte zu bündeln und im Schulterschluss mit vielen Kooperationspartnern sowohl für Aufklärung und Information als auch für konkrete Hilfen zu sorgen. Das KI koordiniert die Maßnahmen auf diesem Gebiet. Dabei gibt es keine Sonderbehandlung für Südosteuropäer, sondern die Hilfen betreffen elementare und gesetzlich geforderte Maßnahmen wie Beschulung der Kinder oder ein Mindestmaß an gesundheitlicher Versorgung. Es finden Gespräche und Dialogtische mit allen Beteiligten statt. Zur Behebung von akuten Missständen gibt es verantwortliche Ansprechpartner und die Stadtverwaltung hat stets ein offenes Ohr für Sorgen und Anliegen aus der Bevölkerung.

Pater: Viele Menschen wissen z.B. nicht, dass die zugewanderten Menschen aus Rumänien und Bulgarien ihre Miete selber zahlen und glauben, dass die Stadt diese Kosten übernimmt. Hier gibt es noch Informationsbedarf.

Terzic: Wir müssen es schaffen, die Diskussionen zu versachlichen. Das versuchen wir mit unserer Dialogbereitschaft und unserem Bemühen um sachliche Informationen – gemeinsam mit unseren zahlreichen Kooperationspartnern. Nicht alle Zuwanderer aus den beiden EU-Ländern sind beispielsweise Roma…

Pater: … Und nicht alle Roma sind gleich Armutsflüchtlinge.

Terzic: Genau, es herrscht eine große Verunsicherung und oft auch ein Unwissen.
Das Thema der Zuwanderung aus Südosteuropa ist sicherlich auch eine gesamteuropäische Aufgabe. In Gesprächen mit dem Land, dem Bund und auf EU-Ebene setzen sich Vertreter unserer Stadt immer wieder dafür ein, Unterstützung bei der Begleitung und Orientierung der Menschen aus Südost-Europa zu erhalten. Das Land NRW hat inzwischen 7,5 Mio Euro für Eingliederungsmaßnahmen von EU-Bürgern aus Südost-Europa bereitgestellt. Duisburg hat mehrere Projektvorschläge im Rahmen einer Interessenbekundung eingereicht, um Fördergelder zu bekommen. Nicht alle Städte sind gleichermaßen von der Zuwanderung betroffen wie Duisburg. Wir tun alles Erforderliche um vor allem den sozialen Frieden in den Stadtteilen aufrecht zu halten.

Im Konzept des Kommunalen Integrationszentrum ist die Weiterentwicklung des Integrationskonzepts der Stadt Duisburg verankert. Wie soll das geschehen?

Terzic: Das Integrationskonzept der Stadt Duisburg liegt bisher noch nicht in zusammenhängend niedergeschriebener Form vor. Es gibt jedoch Dokumente zur grundsätzlichen Ausrichtung der Integrationspolitik der Stadt Duisburg und Beschlüsse des Rates. Wir werden dies zusammentragen und mit einer breiten Beteiligung von Akteuren der Integrationsarbeit in Duisburg das Konzept fortentwickeln. Es ist wichtig, dass das Integrationskonzept der Stadt Duisburg von allen gesellschaftlichen Kräften getragen wird. Ein wichtiger Kooperationspartner ist in diesem Zusammenhang der Integrationsrat der Stadt Duisburg, als Vertretung der zugewanderten Menschen, die nicht deutsche Staatsbürger sind. Die Geschäftsstelle des Integrationsrats ist ebenfalls beim KI angesiedelt, daher sind die Kommunikationswege kurz. Das erleichtert manches.

Gibt es Pläne für die künftige Nutzung des Internationalen Zentrums?

Terzic: Das IZ soll vor allem ein Ort der Begegnung sein. Wie das im Konkreten aussehen könnte, das bedarf noch eines detaillierten Konzepts.

Pater: Aufgeworfen wurde z.B. die Idee, das IZ als eine Anlaufstelle mit Beratungsangeboten verschiedener Beratungseinrichtungen zu gestalten. Gleichzeitig sollen sich dort Vereine und Gruppen treffen, Veranstaltungen stattfinden und vieles mehr. Es soll ein offenes Haus für alle sein.

Kooperiert das Kommunale Integrationszentrum mit Vereinen von zugewanderten Duisburgerinnen und Duisburgern, den sogenannten MSO’s?

Terzic: Es gibt eine punktuelle Zusammenarbeit, diese Arbeit können wir heute nicht in dem Rahmen leisten, wie es noch vor einigen Jahren möglich war. Damals hatten wir eine Mitarbeiterin, die sich vorrangig um Kontakte zu den MSO’s, ihre Beratung und Unterstützung bemühte. Diese Stelle gibt es leider nicht mehr. Hin und wieder fragen heute Vereine an, wenn es z.B. um eine Stellungnahme für ihren Förderantrag geht.

Pater: Natürlich sind wir sehr daran interessiert mit Vereinen zusammen zu arbeiten. Das wird sicherlich zunächst anlassbezogen sein. Gerade im Bildungsbereich wäre eine enge Kooperation mit Multiplikatoren aus Zuwanderervereinen sehr wichtig. Wir werden uns als KI in dieser Hinsicht einbringen.

Von welchen Gedanken – vielleicht Visionen – lassen Sie sich leiten? Was ist Ihnen in der Integrationspolitik und im Zusammenleben in Duisburg wichtig zu erreichen?

Pater: Ich denke, es kommt darauf an, Zugänge zu schaffen, sei es zu Bildung, Arbeit, Gesundheit, Wohnung und vielen anderen Bereichen der Gesellschaft. Wir müssen die Bedarfe aller im Blick haben. Ich wünsche mir für alle einen barrierefreien Zugang zu den Dienstleistungen und Angeboten in der gesamten Stadt.
Eine Vision ist, dass dies eines Tages in eigener Initiative und Verantwortung der jeweils fachlich Zuständigen realisiert worden ist. Dann gäbe es keinen Bedarf mehr für ein Kommunales Integrationszentrum.

Die Fragen stellte Aynur Koc.

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