Trauer um die Verunglückten und Verletzten der Loveparade
Die Stadt Duisburg trauert um die Menschen, die bei dem Unglück auf der Loveparade starben und fühlt mit denen, die verletzt wurden. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind auch bei deren Angehörigen und Freunden. Das Geschehene ist auch für uns immer noch unfassbar.
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Telli Kılıç (77) aus Duisburg
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„Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem ich aus dem Süden der Türkei nach Deutschland kam: Es war der 20. Juli 1980. Ich hatte vier meiner sechs Kinder dabei. Mein Mann war schon als Gastarbeiter vorgegangen. Der Umzug war sehr aufregend für mich, ich war doch noch nie zuvor in einem anderen Land gewesen. Ich kannte nur mein Dorf und Adana, die Stadt, in der wir zuletzt gewohnt haben. Die Kinder haben sehr schnell Deutsch gelernt, ich kann es immer noch nicht.
Carlo Maldarelli (66) aus Duisburg
„Ich lebe schon sehr lange in Deutschland, seit 1961. Ich stamme aus Neapel. Bis vor drei Jahren habe ich als Dreher gearbeitet. Jetzt bin ich Rentner, aber ich habe nichts davon. Ich hatte zwei Schlaganfälle und bin jetzt teilweise gelähmt. Ich kann noch nicht mal mehr richtig sprechen. Meine Frau ist vor sieben Jahren gestorben und meine beiden Kinder leben in Italien. Ich bin ganz alleine. Früher kannte ich viele Menschen, aber wenn man krank ist, dann hat man keine Freunde mehr. Nach Italien würde ich trotzdem nicht zurückkehren. Was soll ich da? Ich glaube auch nicht, dass meine Kinder mich haben wollen. Außerdem ist es dort nicht besser mit den Ärzten. Hier bekomme ich mehr Unterstützung. Ich bin enttäuscht vom Leben. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass ich bald sterben werde.“
Beser Samut (56) aus Duisburg
„Ich stamme aus Dersim, das ist der kurdische Name von Tunceli, einer Stadt im Osten Anatoliens. Nach Deutschland kam ich 1970 im Rahmen der Familienzusammenführung. Mein Mann war als Gastarbeiter hier. Ich wollte nur zwei, drei Jahre bleiben und dann wieder in die Türkei zurückkehren, doch es kam alles anders. Meine ersten beiden Kinder starben und dann folgten sieben Jahre, in denen wir nicht in die Heimat gereist sind. Als ich dann endlich wieder schwanger wurde, bin ich in die Türkei geflogen und habe das Kind dort zur Welt gebracht. Es überlebte und ich bekam zwei weitere gesunde Kinder. Jetzt habe ich eine Tochter und zwei Söhne. Sie sind 31, 33 und 35 Jahre alt. Außer während der Schwangerschaften habe ich immer gearbeitet, in Fabriken, als Putzfrau und in der Stadtbibliothek. Ich wollte meinen Kindern ein gutes Vorbild sein, ich wollte nicht abhängig sein von Sozialleistungen. 1983 habe ich meinen Mann verlassen. Von da an habe ich mich alleine um die Kinder gekümmert. Jetzt sind alle aus dem Haus. Seit neun Jahren habe ich einen deutschen Lebensgefährten, mit dem ich zusammenlebe. Meine Heimat, das ist jetzt Deutschland. Zurückzukehren kann ich mir nicht mehr vorstellen. Die Türkei ist jetzt meine zweite Heimat. Ich habe zwar oft Sehnsucht danach, hinzufahren und in meiner Muttersprache Zazaki zu sprechen, aber wenn ich dort bin, dann vermisse ich Duisburg. Was sein wird, wenn ich alt bin? Ich weiß es nicht. Ich hoffe, dass ich fit bleibe und ich hoffe, dass ich anderen Menschen helfen kann und nicht, dass andere mir helfen müssen. Vielleicht werden meine Kinder sich um mich kümmern, vielleicht kümmern mein Lebensgefährte und ich uns umeinander – ich weiß es nicht. Ich könnte mir aber auch vorstellen, im Altersheim zu leben. Welche Nationalität der Mensch hat, der mich pflegt, ist mir egal. Mensch ist Mensch. Für mich sind alle gleich. Wir sind alle nur zu Gast hier auf diesem Planeten, wir sind alle Fremde auf dieser Welt. Es ist mir auch egal, wo ich beerdigt werde, wenn ich tot bin. Erde ist Erde.“
