Duisburger Organisationen zugewanderter Menschen: African Impulse e.V.

Jugendlichen hören zu

Vor fünf Jahren gründete Clement Nkamanyi (44) aus Kamerun gemeinsam mit Freunden den Verein African Impulse e.V., dessen Vorsitzender er heute ist.

Foto: Jugendliche während eines Fußball- und Bildungscamps in Kamerun

Der Diplom Ingenieur der Informations- und Kommunikationstechnik engagiert sich bereits seit Anfang 2001 für die Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und die Förderung und Integration von Afrikanern in Deutschland. So gehörte er zu den Gründern der SOBA Foundation e.V., dessen Vorsitzender er lange Zeit war. Später war er Präsident des größten kamerunischen Vereins in Deutschland – Challenge Camerounais e.V.

„Die Arbeit hat Spaß gemacht“, sagt Nkamanyi, er ist viel gereist, hat viele Orte gesehen und viele Menschen kennengelernt. Und das neben seiner beruflichen Arbeit, die ihn zu namhaften deutschen Unternehmen führte und vor rund zwei Jahren in die Schweiz. In Luzern arbeitet er als angestellter IT- Berater und pendelt jedes Wochenende nach Duisburg. Manchmal macht er einen Tag in der Woche Home-Office. An einem solchen Montag findet er auch Zeit für das Gespräch mit der Wir sind DU Redakteurin.

Mit praktischer Arbeit vor Ort helfen
Durch sein Engagement in diversen Vereinen kristallisierte sich für den Vater von zwei Kindern immer mehr heraus, was er eigentlich wollte: Mit praktischer Arbeit, konkret vor Ort helfen. „In solchen großen Vereinen konnte ich meine Ziele nicht verwirklichen. Ich möchte etwas bewirken und Veränderungen herbeiführen und nicht bloß reden und diskutieren und zum Schluss passiert nichts“, erklärt er. Doch der Austausch mit anderen Afrikanern ist ihm wichtig, daher engagiert er sich im Bundesnetzwerk TANG (The African Network in Germany) und unterstützt den Verein als Vorstandsmitglied für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit und IT.

Seine Erfahrungen und Kontakte kommen schließlich auch dem Duisburger Verein African Impulse zugute und schaffen Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung und Kooperation.

African Impulse e.V. setzt sich ein für eine „gerechtere Welt, in der Nord und Süd kooperieren und ihr Wissen austauschen“. Ihre Arbeit begreifen die Mitglieder als Impulse zur Selbsthilfe für die Gesellschaften Afrikas. Impulse, die zur Verbesserung des Alltags führen, mitunter minimale Standards sichern helfen und Kinder und Jugendliche mit Bildungsmaßnahmen fördern. Das Engagement konzentriert sich auf das zentralafrikanische Land Kamerun und auf die Arbeit mit afrikanischen Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Programmierkurs

Kinder und Jugendliche lernen, eine eigene Webseite zu programmieren

Vertrauen in das Potential der Menschen Afrikas
„Africa does not actually need help. Africa has resources which can feed the world”, heißt es auf der Internetseite des African Impulse e.V. Warum dieses Engagement, wenn Afrika keine Hilfe braucht und eigentlich die Welt ernähren könne?  Es ist das Vertrauen in das Potential der Menschen und der Länder Afrikas, das Clement Nkamanyi und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter motiviert. Was die Menschen – vor allem die Kinder und Jugendlichen – brauchen, ist Bildung. Und die Gesellschaften Afrikas – technologisches Know how.

„Wir haben so vieles gelernt, hier in Europa, in Deutschland. Wir können in Afrika wirkliche Brücken sein, wenn wir uns engagieren in der Aufklärungsarbeit und im Wissenstransfer. Denn wir kennen uns aus mit den Gegebenheiten vor Ort, wir kennen die Menschen und – vor allem – wir müssen die Konsequenzen tragen. Wenn ich etwas vermassele, dann werden meine dortigen Familienangehörigen zur Rechenschaft gezogen, wenn ich wieder weg bin,“ erzählt Nkamanyi. Er versucht, gute Arbeit zu machen.

Das Bild von Afrika, wie es im Westen vorherrscht, sei nicht realistisch, sagt Nkamanyi. Er sagt dies ohne Vorwurf. Über Motive von Medien und Meinungsbildnern möchte er nicht spekulieren. „Es ist oft Unwissenheit“, meint er. „Die Länder Afrikas werden in einen Topf geworfen. In Europa kann man ja auch nicht Deutschland mit der Türkei, mit Griechenland, England oder Schweden gleichsetzen.“ Das ist einleuchtend. Die negativen Bilder über Afrika schüren seiner Meinung nach Vorurteile und führen gleichzeitig dazu, dass die Afrikaner selbst diese negativen Bilder annehmen. Ein in der Psychologie weithin bekanntes Phänomen.

“Schuld bei anderen zu suchen, ist zu einfach”
„Jeder ist frei zu denken, was er will“, sagt Clement Nkamanyi. „Aber es geht nicht, dass Afrikaner denken: Hey, wir sind die armen Leute, wir sind die kranken Leute. Kommt hilft uns“. Stattdessen sei es wichtig, zu fragen: „Was können wir selber machen?“ Nicht die Schuld bei anderen suchen. „Das ist zu einfach“, sagt Nkamanyi. Sondern selbst Verantwortung übernehmen und aktiv werden. Und genau das hat er sein Leben lang gemacht. Aus mittleren Verhältnissen stammend, hatte er die Gelegenheit, gemeinsam mit Kindern aus wohlhabenden Familien in Afrika zur Schule zu gehen. Er hatte nie das Gefühl den anderen unterlegen zu sein. Scheu war er nicht. Oft war er Klassenbester. Auch das Gefühl, unterdrückt zu sein, weil er aus einem armen Land komme, kenne er nicht. Schon damals hatte er scheinbar einen offenen Blick auf sich und die Welt.

Konferenz_Bonn

Nkamanyi (re) während einer Konferenz des Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 2016 in Bonn

Clement Nkamanyi lebt inzwischen seit 20 Jahren in Deutschland. Von Köln nach Duisburg zog ihn die Entscheidung, ein technisches Studium an der – damaligen – Gerhard Mercator Universität aufzunehmen. Der englischsprachige Studiengang Informations- und Kommunikationstechnik hatte sein Interesse geweckt. Denn als Mitglied der englischsprachigen Minderheit in Kamerun brachte er gute Englischkenntnisse mit. Und mit Technologie ließ sich etwas ändern – daran glaubte Clement Nkamanyi fest. Duisburg wurde damit zur neuen Heimat des angehenden Ingenieurs und zum künftigen Standort des Vereins African Impulse, den er später gründete.

Empowerment: das Leben in die eigene Hand nehmen
„Empowerment“ ist der Schlüsselbegriff, der sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Bereiche seines Engagements zieht. Für ihn bedeutet das, Menschen Möglichkeiten zu geben, sich zu entfalten. „Man kann das machen, indem man ihnen bestimmte Tools zur Verfügung stellt“, sagt der Informatiker. Er kann es auch anders ausdrücken: „Du gibst den Kindern einen Schubs, damit sie lernen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.“ Aha!  „Integration durch Bildung“ gewinnt mit diesen einfachen Worten eine qualitativ neue Bedeutung. Persönliche Entfaltung und das Schicksal in die eigene Hand nehmen. Ein gutes Versprechen, das einer offenen und demokratischen Gesellschaft gut zu Gesicht steht.

Mit vielen Aktivitäten engagiert sich African Impulse im Bildungsbereich. Der Verein ist Kooperationspartner des Elternnetzwerks NRW und er nimmt am bundesweiten Vorlesungstag jährlich im November teil.

Im vergangenen Jahr veranstaltete African Impulse im Rahmen der „Code Weeks“ der Europäischen Union einen „Programmiertag“ für Kinder und Jugendliche. Einer fand in Duisburg, der andere in Essen statt. Das Ziel war, Kinder an Technik heranzuführen, gebastelt wurde dabei an einer eigenen Webseite. Ermöglicht wurde diese Aktion durch die Unterstützung des Vereins Stifter helfen, die beispielsweise half, Software günstig zu erwerben. Aufgrund der großen Resonanz möchte der Verein einen solchen „Programmiertag“ noch einmal anbieten.

Fußballinitiative für Kinder und Jugendliche in Kamerun
In Kamerun unterstützt der Duisburger Verein seit fünf Jahren eine von Nkamanyi gegründete Fußballinitiative für Kinder und Jugendliche. Im vergangenen April fand dort das dritte Jugend-Camp statt. Ein Event, das Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Regionen und Vereinen Kameruns zusammen bringt und ihnen einen Zugang zu Sport und Bildung ermöglicht. „Empowering kids through football“ ist die Devise. Über einen Zeitraum von vier Monaten finden an jedem Wochenende Turniere statt, es gibt Lernangebote an PC‘s und Vorträge zu sozialen Themen.  Rund 400 Kinder und Jugendliche – unter ihnen auch zahlreiche Mädchen – nahmen an dem Camp teil, gemeinsam mit Vereinsfunktionären und Eltern.  Ziel ist, die individuelle Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu fördern – anhand des Mediums Fußball.

Freude nach einem erfolgreichen Fußballturnier

Freude nach einem erfolgreichen Fußballturnier

Das Projekt wird von Eltern unterstützt und von Freunden weltweit. Auch der MSV Duisburg und Tura 88 Duisburg sowie die Eltern von Kindern aus diesen Vereinen unterstützen die Fußballinitiative beispielsweise mit Trikots und Fußballbedarf. Die katholische Kirche hat der Initiative einen Fußballplatz zur Verfügung gestellt. Das Projekt habe sich gut entwickelt und sei äußerst erfolgreich, berichtet Clement Nkamanyi. Eine Mannschaft sei bereits im Kamerunischen Fußballbund registriert worden, die gleich in die 3. Liga einziehen könne. Zur Zeit sind die Initiatoren auf der Suche nach weiteren Sponsoren, um das Jugend-Camp auch im nächsten Jahr anbieten zu können – vielleicht sogar mit einem eigenen Fußballplatz.

Für ihre Vereinstreffen in Duisburg nutzt African Impulse e.V. die Räumlichkeiten des Internationalen Zentrums (IZ) der Stadt. Mindestens ein Mal im Jahr kommen die Mitglieder zusammen – elf an der Zahl. Ein kleiner Verein. Doch das Engagement kann sich sehen lassen. So konnte ein Entwicklungsprojekt in einem Dorf in Kamerun Ende letzten Jahres realisiert werden, das von der Landesregierung NRW finanziell unterstützt wurde. Der Erwerb und die Installation eines solarbetriebenen Wasser- Pump-Systems, das die Versorgung von 7000 Menschen mit sauberem Trinkwasser ermöglichte. Dabei war es nur Zufall, dass der Verein von den „katastrophalen“ Bedingungen der Wasserversorgung in dem Dorf Ediki Mbonge, im Südwesten Kameruns, erfuhr. Als der Vorsitzende des Duisburger Vereins einmal seinen Bruder in Kamerun besuchte, der in der Nähe des Dorfes Landwirtschaft betreibt, fuhr er auch in das Dorf Ediki Mbonge.  Er hatte an diesem Tag nicht ausreichend zu trinken dabei und als er um Wasser bat, führten die Dorfbewohner ihn an die Wasserstelle, aus der sie selbst das Wasser bezogen. „Es war unmenschlich, es war katastrophal“, sagt Clement Nkamanyi. Er konnte das Wasser nicht trinken. Es war ungenießbar. „Wie ist das nur möglich?“, dachte er.

Die Bewohner des Dorfes Ediki Mbonge bauen eine Wasseranlage
Kurze Zeit später saß Clement Nkamanyi mit den Menschen aus dem Dorf zusammen und überlegte: Was machen wir? Er wusste: „Lösung muss man nicht bringen, Lösung müssen die Leute selber finden“. Sie besprachen die Situation und was sie am dringendsten brauchten. „Bildung stand an letzter Stelle in dieser Kette“, erfuhr Nkamanyi, der früher daran gedacht hatte, der Dorfschule Computer zu spenden. „Typisch, für einen IT-Mann“, sagt er selbstironisch „Etwas, was für mich, der aus Europa kommt, wichtig ist, war für sie nicht wichtig. Sie haben gesagt: ‚Wasser‘“. Dann wurde die Frage erörtert: “Wie sollen wir das machen? Wie sollen wir sauberes Trinkwasser aus der Erde pumpen?“ Mit einem Stromaggregat? Doch Benzin ist teuer in Kamerun. Und der Umwelt würde es auch schaden.

Bohrarbeiten für die Wasser-Pumpe

Bohrarbeiten für die Wasser-Pumpe

Nkamanyi hatte die Idee: Wir machen es solarbetrieben. Auf der Suche nach einer geeigneten Anlage stieß er auf ein Unternehmen in Österreich, das ein Do-It-Yourself Wasser-Pump-System vertrieb. Mit der Co-Finanzierung der Landesregierung NRW im Rahmen von „Engagement Global“ wurde das System angeschafft. Durch weitere Spenden konnte eine spezielle Bohrmaschine gekauft werden, mit der ein 45 m tiefes Loch gebohrt werden konnte – bis man auf Grundwasser stieß. Im Dezember 2017 ging die Anlage in Betrieb.

„Es war nicht einfach gewesen, doch jetzt ist die Freude groß, dass die Dorfbewohner sauberes Trinkwasser haben“, berichtet Clement Nkamanyi. Viele im Dorf haben beim Aufbau geholfen. Und zur Finanzierung haben sogar Nkamanyis Arbeitskollegen in der Schweiz eine beachtliche Summe beigesteuert.

Solarpanele werden montiert

Solarpanele werden montiert

Das Dorf Ediki Mbonge hat einen Verantwortlichen für die Pump-Anlage, zu dem der Duisburger Verein Kontakt hält. Von Nkamanyi erfahren wir, dass das System komplett nachhaltig ist und die Dorfbewohner den Duisburger Verein nicht mehr brauchen. „Sie können alles selber machen“, sagt Nkamanyi. Eine Wartung sei nicht notwendig und das Dorfkomitee habe sich verpflichtet, etwas Geld beiseite zu legen, falls doch etwas passiert…

Die Dorfbewohner freuen sich über sauberes Trinkwasser.

Die Bewohner des Dorfes Ediki Mbonge haben endlich sauberes Trinkwasser.

Aufklären über das Leben der Menschen in Afrika
Der Verein African Impulse arbeitet bereits an einem neuen Entwicklungsprojekt – zum Pfefferanbau in einem Dorf in Kamerun. Doch zurzeit kann dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt werden, „weil die politische Situation in diesem Teil Kameruns derzeit unüberschaubar ist“, erklärt Clement Nkamanyi. Derweil nimmt der Verein aktiv an den Duisburger Umweltwochen teil, ein Wegweiser in Form einer Webseite für afrikanische Flüchtlinge wird erstellt, geplant ist die Teilnahme am diesjährigen Tag des Dialogs und in Vorbereitung ist eine Diskussionsrunde mit afrikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Und Clement Nkamanyi möchte die hiesige Bevölkerung über Afrika und das Leben dort informieren. Die Diskussions- und Informationsveranstaltungen sollen gemeinsam mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt durchgeführt werden, zu dem bereits gute Kooperationsbeziehungen bestehen.

Danach befragt, woher er denn seine Überzeugung gewinnt, etwas bewirken und verändern zu können, antwortet Clement Nkamanyi: „Ich denke immer positiv. Und wenn mal irgendetwas nicht klappt, schaue ich zuerst zu mir und denke, ‚es hat nicht gereicht, das nächste Mal mache ich es besser‘“. Die Grundlage für dieses Denken liegt seinen Worten zufolge in seiner Familie. „Wir denken frei in unserer Familie und ich bin so aufgewachsen“, erklärt er. Was freies, unabhängiges Denken doch bewirken kann.

Hier gelangen Sie zur Website des Vereins African Impulse.

Aynur Koç
19. Juni 2018

 

 

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