Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen: Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe und Kopftuch

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Menschen, die aufgrund ihres Äußeren als Zugewanderte zu erkennen sind, fühlen sich viel häufiger diskriminiert als jene, dessen Aussehen nicht auf eine Zuwanderungsgeschichte hinweist. Dies zeigt eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen (SVR) für Integration und Migration.

“‘Wo kommen Sie eigentlich ursprünglich her?’Diskriminierungserfahrungen und phänotypische Differenz in Deutschland” so der Titel der Studie, dessen Ergebnisse jüngst in Berlin vorgestellt wurden. Laut Herausgeber ist es die erste wissenschaftliche Erhebung in Deutschland, die einen Zusammenhang zwischen äußerer Erscheinung und Diskriminierung aufzeigt. Als Grundlage dient der SVR Integrationsbarometer 2016 – gestützt auf eine repräsentative Befragung von bundesweit 5396 Personen.

Untersucht haben die Wissenschaftler die subjektiven Benachteiligungswahrnehmungen von zugewanderten Menschen. Die Autoren weisen darauf hin, dass das subjektive Erleben nicht mit objektiver Diskriminierung gleichzusetzen ist. Doch trotzdem: “Die Sicht der Betroffenen (ist) besonders relevant, (…) denn sie gibt Auskunft darüber, ob und wie stark Herkunft als Barriere für gleichberechtigte Teilhabe empfunden wird”. Und damit können – so die Forscher – gesellschaftliche Schieflagen und Konfliktlinien offengelegt werden.

Der Studie zufolge nehmen am häufigsten Menschen mit türkischen Wurzeln Benachteiligung wahr. 54 Prozent der Befragten, die entweder selbst oder deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland eingewandert sind, berichten von Benachteiligungserfahrungen.
Zugewanderte aus der EU dagegen nehmen mit 26 Prozent am seltensten Benachteiligungen wahr. Bei Spät-/Aussiedlern und Spät-/Aussiedlerinnen liegt der Anteil bei 34 Prozent und bei Personen mit einem Migrationshintergrund aus der „übrigen Welt“ bei 40 Prozent.

In der internationalen Forschung werde davon ausgegangen, dass die Sensibilisierung hinsichtlich Benachteiligungen und der Anspruch auf Teilhabe mit der Aufenthaltsdauer und steigender Bildung zunimmt. Differenzen in der Partizipation im Vergleich zu Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte würden von diesen Zugewanderten deutlicher wahrgenommen.

Diskriminierung: äußerlich nicht immer erkennbar
Im Kurzbericht über die Forschungsergebnisse unterscheiden die Wissenschaftler zwischen bewusster und unbewusster Diskriminierung und zwischen Individuen und Institutionen, die diskriminierend handeln können. Kombiniert man diese Kriterien miteinander, entstehen verschiedene Fallkonstellationen.
Während die bewusste, von einem Individuum ausgehende Diskriminierung, für die Beteiligten eindeutig ist, kann eine ausgrenzende Handlung einer Person auch unbewusst erfolgen. Diskriminierend ist in diesem Fall nicht die Absicht, jedoch die Handlung. Für den Menschen, den es in dieser Situation trifft, ändert sich nichts. Er nimmt das diskriminierende Verhalten war.

Absichtsvolle Diskriminierungen auf institutionneller Seite sind aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes in Deutschland unzulässig, daher seien sie auch kaum vorzufinden.
Anders sei es mit indirekten institutionellen Diskriminierungen. Diese seien zwar weniger sichtbar, “aber nicht zwingend weniger folgenreich”. Dazu zählt die Studie „die gesamte Bandbreite institutioneller Vorkehrungen, Regeln und Praktiken (…), die ohne Vorurteil oder negative Absicht verankert und umgesetzt werden – die aber Angehörige bestimmter Gruppen überproportional negativ treffen können“.
Als Beispiel werden die Sprachanforderungen von Schulen angeführt. Dieses “benachteilige Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund, deren Familien das Deutsche nicht als Erstsprache vermitteln können, gegenüber Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund”.

Hier gelte es, “etablierte Handlungsroutinen” aufzuspüren und aufzudecken, so die Handlungsempfehlung der Wissenschaftler. Denn gerade im Bereich Schule könne das “unreflektierte Abrufen routinierter Handlungsabläufe ohne Berücksichtigung migrationsspezifischer Besonderheiten (…) zur systematischen Benachteiligung führen”.

Den Kurzbericht zur Studie finden Sie auf https://www.svr-migration.de/publikationen/

Aynur Koc

Foto(c): knipseline / pixelio.de

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