Gülhane – Rosen für Marxloh: Interview mit Duisburgs Integrationsbeauftragte Leyla Özmal und Gitti Schwantes, Rosen für Marxloh e.V.

IMG_4260Vom 12. bis 25. Juli entsteht in Duisburg Marxloh mit Beteiligung der Bevölkerung ein neun Meter hoher Rosenpavillon im Rahmen eines TWINS-Projekts für die Kulturhauptstadt Ruhr. 2010.

Wir sind DU sprach mit der Schirmherrin Leyla Özmal und Gitti Schwantes, Vorstandsvorsitzende von Rosen für Marxloh e.V., über die Entstehung des Projekts und den Bau des Rosenpavillons.

Frau Özmal, Sie sind Schirmherrin des Kulturhauptstadtprojekts „Gülhane – Rosen für Marxloh“. Welche Bedeutung hat das Projekt für Sie?

Özmal: Mir liegt das Projekt sehr am Herzen. Die ersten Vorstellungen zu diesem Vorhaben liegen schon lange zurück. Damals arbeitete ich in Marxloh und es war eine sehr schöne Zeit, mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam Ideen zu entwickeln. Wir wollten etwas schaffen, das unabhängig von Kultur, Nation, Herkunft und Glauben die Menschen verbindet. Die Rose als ein Symbol für die Sehnsucht der Menschen nach Schönheit und der gegenseitigen Zuneigung war für uns Sinnbild für das Gemeinsame der Menschen. Ich finde die Idee wunderbar, als Zeichen des Zusammenhalts der Bevölkerung, einen Rosengarten anzulegen und darin einen Pavillon in Form einer großen Rose zu gestalten. Das ist ein sehr schönes Zeichen für unser friedliches Zusammenleben in Duisburg und Marxloh.
Was mir besonders gefällt ist, dass bei den Bauarbeiten alle mitmachen können. Gemeinsam an diesem Kunstwerk zu arbeiten, wird das Gemeinschaftsgefühl stärken und es wird etwas geschaffen, das auch nach dem Kulturhauptstadtjahr noch zu sehen ist.

Woher stammt die Idee zu einem Rosengarten samt Pavillon in Marxloh?

Schwantes: Während unserer Istanbulreise im Jahr 2003 besuchten wir den Topkapi-Palast und den in der Nähe gelegenen Rosenpark „Gülhane“. Wir waren so fasziniert von der Blüten- und Farbenpracht und der Geselligkeit der Menschen dort. Diesen Genuss, die Vielfalt und das Miteinander dieser Szene wollten wir uns hierhin holen. Zu dieser Zeit liefen die Planungen zur Errichtung der Ditib-Merkez-Moschee mit einer Begegnungsstätte. Die Idee, in Nachbarschaft der Moschee einen Rosengarten anzulegen, gefiel uns sehr gut, weil dadurch ein weiterer Begegnungsort entstehen kann. Das Umfeld der Moschee kann auf diese Weise ansprechend gestaltet werden. Ursprünglich sollte der Rosengarten und der Pavillon im Elisenhof stehen – auf der Freifläche zwischen der katholischen Kirche und der Moschee. Doch leider konnten wir den Elisenhof nicht dafür nutzten. Jetzt entsteht der Garten neben der Moschee. Während all der Jahre haben wir eng mit der Ditib-Begegnungsstätte zusammengearbeitet und sie ist jetzt Trägerin des Projekts „Gülhane – Rosen für Marxloh“.

Die Idee zum Bau eines Rosenpavillons kam auf, als uns das Buch des Architekten Marcel Kalberer, „Weidenbau“, in die Hände fiel. Wir nahmen sofort Kontakt zu ihm und der Baukunstgruppe „Sanfte Strukturen“ auf. Unsere Vorstellungen, mit einem Bauprojekt das soziale Miteinander im Wohnumfeld zu fördern, passten sehr gut zusammen. Er entwarf den Rosenpavillon und leitet mit seinem Team den Bau. Jetzt ist es endlich soweit, dass wir mit dem Bau beginnen können.

Mit wie vielen Helferinnen und Helfern rechnen Sie?

Schwantes: Es haben sich schon viele Duisburgerinnen und Duisburger angemeldet. Außerdem erwarten wir Jugendliche aus den TWINS-Partnerstädten Istanbul, Perm und Portsmouth sowie aus Stockholm.
Viele werden auch einfach „nur“ zuschauen und mit dabei sein, sie sind uns auch sehr willkommen. Während der Bauzeit wird der Platz ein Ort zum Verweilen, zum Kennenlernen neuer Menschen, zum Essen, Trinken und Feiern sein. Unser Architekt Marcel Kalberer pflegt zu sagen: „Zuschauer erhöhen das Prestige der Arbeitenden“. Also, in diesem Sinne: Jeder ist herzlich willkommen.

Wie sieht der Tagesablauf während der Bauarbeiten aus?

Schwantes: Wir werden um 9 Uhr morgens mit der Arbeit beginnen. Es können etwa 40 Menschen pro Tag mitarbeiten und es gibt viel zu tun: Weiden bündeln, Bambus rödeln, Löcher graben, aber auch ein Rosenmosaik legen, beim Kochen helfen und, und, und. Wir arbeiten bis etwa 18 Uhr. Danach können sich Frauen und Männer getrennt den Staub der Arbeit im Hamam abwaschen. Das Abendessen machen einige von uns selbst, danach können wir noch gemütlich zusammen sitzen, reden, singen, Musik machen und den Tag ausklingen lassen.

Frau Özmal, werden Sie beim Bau des Pavillons mit Hand anlegen?

Özmal: Ich bin auf jeden Fall mit dabei und freue mich schon, beim Binden von Weiden und Bambus mitzuhelfen. Ich hoffe, dass ganz viele Duisburgerinnen und Duisburger bei den Bauarbeiten helfen und das Entstehen dieses Kunstwerks miterleben. Dieses Projekt wird ganz sicher Viele anregen, gemeinsam an anderen interessanten Projekten zu arbeiten. Ich würde mir viel mehr Projekte wünschen, die sich mit Kunst und Kultur befassen. Denn die Begegnung mit Musik, Liedern oder gemeinsamen Kunstwerken lässt die gemeinsamen Wurzeln des Menschseins spüren. Es kommt ganz viel Hoffnung für eine gemeinsame Zukunft auf, die keinen zu etwas zwingt, sondern Lust macht, sich für das Zusammenleben einzusetzen – mit Respekt und Toleranz. Ich hoffe, dass der Rosengarten in Marxloh ein viel gesuchter Ort für interkulturelle Begegnungen, Feiern und Veranstaltungen wird.

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