Interview mit Leyla Özmal

201003_Japanreise_Leyla_ÖzmalInterview mit Leyla Özmal zu ihrer Teilnahme am internationalen Symposium „Herausforderung Soziale Integrationspolitik – Neue Visionen und Rollen“ in Tokio
Frau Özmal, Sie waren vor einigen Wochen auf Einladung der japanischen Stiftung „Sasakawa Peace Foundation“ in Tokio. Sie haben dort an einem internationalen Symposium zum Thema Einwanderung und Integration teilgenommen. Mit welchen Eindrücken sind Sie nach Duisburg zurückgekehrt?

Es war durchaus interessant und erkenntnisreich zu sehen, wie auf dieser Tagung die Themen Einwanderung und Integration betrachtet und diskutiert wurden. Japan ist bekannt als ein Land, das noch bis vor kurzem eine sehr restriktive Einwanderungspolitik betrieb. Bei einer Bevölkerungszahl von 120 Millionen hat Japan nur zwei Millionen Einwanderer. Doch angesichts der demographischen Entwicklung, hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft, ist Japan – wie die meisten europäischen Staaten auch – auf Einwanderung angewiesen. In Parlament und Regierung werden diese Themen zur Zeit diskutiert. Das internationale Symposium bot Gelegenheit und Raum für ein vorausschauendes Fragen und Suchen nach Antworten, mit welchen Maßnahmen die Integration von Einwanderern gesteuert und gestaltet werden kann. Wissenschaftler und Praktiker aus asiatischen Ländern und je ein Repräsentant aus Holland und – in meiner Person – aus Deutschland tauschten Erfahrungen aus unseren Ländern und Kommunen aus.

Sie haben auf dem Symposium die Erfahrungen der Stadt Duisburg mit dem Thema „Integration“ vorgestellt. Was konnten Sie präsentieren und wie kam es bei den Japanern an?

Ich habe die Bevölkerungsentwicklung und die Geschichte der Arbeitsmigration in Duisburg geschildert und unser Konzept der „Interkulturellen Urbanität“ vorgestellt. Wir reiben uns in Duisburg nicht an kulturellen Unterschieden, sondern motivieren die Menschen – gleich welcher Herkunft –, Verantwortung zu übernehmen und für das Wohl und die Weiterentwicklung unserer Stadt beizutragen. Das machen wir in Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft, Verwaltung und den zahlreichen Vereinen und Verbänden. Unser Ziel ist, dass sich die Vielfalt in der Bevölkerung, wie z.B. verschiedene Lebensstile und kulturelle Unterschiede, in allen Feldern der Stadtgesellschaft widerspiegelt. Modernes städtisches Leben ist geprägt von Unterschiedlichkeit und Vielfalt. Wir lernen diese Vielfältigkeit zu akzeptieren und zu tolerieren. Vielfalt ist eine Stärke unserer Gesellschaft. Diese Betrachtung ist auf dem Symposium mit großem Interesse aufgenommen worden. Besondere Beachtung hat in meinen Gesprächen gefunden, dass wir in Duisburg heute nicht mehr über Zuwanderer sprechen, sondern Zuwanderer als gleichberechtigte Partner den Integrationsprozess aktiv mitgestalten.

Sie hatten die Gelegenheit ein „Integrationsbüro“ in Tokio zu besichtigen. Wie sieht die Integrationsarbeit dort aus?

Wir haben in Tokios Stadtteil Shinjuku ein Zentrum besucht, das als Anlaufstelle für Einwanderer gedacht ist. Es werden dort kostenlose Sprachkurse angeboten, es gibt eine Bibliothek, und jegliche Informationen, die den Alltag und das Leben in Japan betreffen und es erleichtern. Das Zentrum dient auch als Treffpunkt für Begegnungen. Für Neuzuwanderer gibt es Broschüren mit Erstinformationen, die mit Piktogrammen bebildert sind. So können sie auch Menschen verstehen, die weder Japanisch noch Englisch sprechen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man in Japan vieles, das für die Zuwanderer fremd sein könnte, erklären möchte. Das war sehr bemerkenswert.
Während meines Aufenthalts in Tokio ist mir noch einmal bewusst geworden, dass Migration auch immer eine persönliche Entscheidung ist und die Gründe für die Wanderung vielfältig sein können. In unseren Integrationsmaßnahmen müssen wir an der Motivation und dem Mut der Menschen anknüpfen, diese Entscheidung getroffen zu haben, um etwas Neues anzufangen.

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