Telli Kılıç (77) aus Duisburg

Telli_Kilic„Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem ich aus dem Süden der Türkei nach Deutschland kam: Es war der 20. Juli 1980. Ich hatte vier meiner sechs Kinder dabei. Mein Mann war schon als Gastarbeiter vorgegangen. Der Umzug war sehr aufregend für mich, ich war doch noch nie zuvor in einem anderen Land gewesen. Ich kannte nur mein Dorf und Adana, die Stadt, in der wir zuletzt gewohnt haben. Die Kinder haben sehr schnell Deutsch gelernt, ich kann es immer noch nicht. Ich brauche es aber auch gar nicht. Wenn ich etwas erledigen muss, helfen mir die Kinder oder Bekannte. Nachdem mein Mann gestorben ist, habe ich mit meiner jüngsten Tochter zusammengewohnt. Vor zwei Jahren hat auch sie geheiratet und ist ausgezogen. Doch sie wohnt mit ihrem Mann gleich um die Ecke und sie kümmert sich immer noch um mich. Sie geht zu Ärzten mit mir und hilft mir, meine Medikamente einzunehmen. Gottseidank kann mich selbst anziehen und auch die täglichen Gebeten schaffe ich noch. Schwere Arbeit kann ich natürlich nicht mehr verrichten und auch das Putzen schaffe ich nicht mehr alleine. Aber ich bekomme ja Hilfe. Ich finde, Kinder müssen für ihre Eltern sorgen, wer soll es denn sonst tun? Ich bin sehr zufrieden mit meinen Kindern, ich habe gute Kinder. Nicht jeder hat so gute Kinder. Obwohl sie ja inzwischen total verstreut sind: Nur ein Sohn und eine Tochter wohnen in Duisburg. Ein Sohn lebt in der Türkei, zwei Töchter in Schweden und eine Tochter in Spanien. Ich habe sie alle schon besucht, es ist überall schön. Aber wenn ich mir aussuchen dürfte, wo ich im Alter leben möchte, dann wäre es mein Dorf. Ich vermisse es sehr. Dort würde ich gerne alleine in meiner eigenen Wohnung leben. Und meine Kinder, die könnten mich ja besuchen kommen.“

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