Abschließende Stellungnahme zu dem Projekt

IMG_2262Im Rahmen des Projekts „Informations- und Kommunikationssystem Integration“(ISI) beim Referat für Integration der Stadt Duisburg in Zusammenarbeit mit dem Amt für Soziales und Wohnen, September 2008 bis Ende Februar 2009. Von Herbert Hübner, 23. Mai 2009
Das allgemeine Ziel des Vorhabens war es, „…den Prozeß der Interkulturellen Öffnung der Regeldienste zu initiieren und zu begleiten, die Migrantenselbstorganisationen zu sensibilisieren und ihr bürgerschaftliches Engagement zu fördern.“ Im gleichen Kontext wird als das Handlungsfeld des Projektbausteins „Offene Altenhilfe“ die „…Förderung der Kooperation zwischen den Begegnungs- und Beratungszentren (BBZ) und den Wohlfahrtsverbänden im Bereich der Altenhilfe…“ genannt, und zwar mit der Zielvorstellung, „…langfristige Strukturen aufzubauen.“ (Internes Arbeitspapier) Ein Jahr zuvor hatte das Institut für Sozial- und Kulturforschung eine Studie mit ähnlicher Aufgabenstellung beendet, die am Beispiel von zwei Duisburger Stadtteilen (Hochfeld und Hochemmerich) durchgeführt worden war. Deren praktische Ergebnisse und Erfahrungen wurden bei der Entwicklung eines Arbeitsansatzes für das ISI-Projekt verwendet. Sie bezogen sich hauptsächlich auf die Erstellung eines Informations- und Beratungsdienstes in den beiden Stadtteilen sowie auf die Schaffung von Zugängen zu Personen und Gruppen, die ein Interesse an einer Qualifizierung als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Seniorenbetreuung hatten.

Wegen der Ähnlichkeit und teilweisen Identität der Fragestellung lag es nahe, eine Kooperation zwischen dem Referat für Integration der Stadt Duisburg und Mitarbeitern der Studie zu vereinbaren, die im Wege eines Werkvertrages realisiert wurde. Dieser Vertrag sah vor, – bei einer Auftaktveranstaltung mit Vertretern der Begegnungs- und Beratungszentren, der Migrantenselbstorganisationen und der Verwaltung über Ergebnisse und Erfahrungen des Institutsprojektes zu berichten, – den Verlauf des Projektbausteins wissenschaftlich zu begleiten und zu beraten, – sowie über den Projektverlauf und über Ergebnisse eine abschließende Einschätzung vorzunehmen. Um den geplanten Kommunikationsprozeß zwischen den Begegnungs- und Beratungszenten bzw. der Stadtverwaltung und den Migrantenselbstorganisationen (MSO) zu erzielen, wurde das Projekt mit einer Auftaktveranstaltung begonnen, bei der das Vorgehen erläutert und für die Teilnahme geworben wurde. Dabei zeigte sich ein starkes Interesse insbesondere der Vertreter der MSO an einer Verstärkung des Austausches und der Zusammenarbeit mit den vorhandenen Einrichtungen.

Für den Fortgang des Projektes waren durch das Referat vier Begegnungs- und Beratungszenten (BBZ) als impulsgebende Einrichtungen ausgewählt worden, deren Standorte über das gesamte Stadtgebiet verteilt waren. Auf diese Weise sollten möglichst alle Stadtteile durch das Vorhaben gleichmäßig erreicht werden. Im Verlauf des Projektes fanden an diesen Standorten vier Vortragsund Diskussionsveranstaltungen statt, die sich vor allem mit allgemeinen Fragen der Migration, des Alterns und des eigenen wie des institutionellen Umgangs mit dem Altwerden von Zuwanderern befaßten. Dabei rückten methodische Aspekte des Erwerbs interkultureller Kompetenz in den Vordergrund. Die Vorträge wurden von Gastreferentinnen gehalten, die in ihren Themenbereichen ausgewiesen waren und mit ihren Ausführungen bei den Teilnehmern starkes Interesse fanden. Es soll hier nicht der Verlauf des Projektes in allen seinen Schritten nachvollzogen und aufgearbeitet werden. Aufgabe dieser Stellungnahme ist es vielmehr, ausgehend von dem Ziel des Projektbausteins „Offene Altenhilfe“ die bisherigen Arbeit in einigen wichtigen Punkten zu betrachten und zu kommentieren sowie Perspektiven für eine Fortführung aufzuzeigen.

Als Ziel des Vorhabens im weitesten Sinne soll hier verstanden werden, Voraussetzungen für eine Verbesserung der Lebenssituation älterer Migranten zu schaffen. Die Bedingungen, die insbesondere bei der ersten Generation der Arbeitsmigranten, den „Gastarbeitern“, zu einem hohen Maß an Benachteiligung geführt haben, sind bekannt. Auf ihre nochmalige Darstellung soll daher in diesem Zusammenhang verzichtet werden. Wichtig ist jedoch festzuhalten, daß diese Benachteiligung den betroffenen Personenkreis auch von der Möglichkeit ausgeschlossen hat, sich angemessen über die sozialen Einrichtungen dieser Gesellschaft und über deren Angebote im Bereich der Seniorenarbeit zu informieren. Dies jetzt zu leisten und gezielte Informations- und Teilhabeangebote zu entwickeln muß das Ziel einer gewissermaßen nachholenden Integration sein. Die Entwicklung von ISI ist dazu der richtige Ansatz. Hierdurch kann dazu beigetragen werden, die zuständigen Einrichtungen in den Bereichen der Verwaltung, der Wohlfahrtsverbände und der MSO miteinander stärker zu vernetzen und ihre Effizienz dadurch zu verbessern.

Mit der Durchführung der vier Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wurde eine erfolgversprechende Ausgangsbasis für das Projekt geschaffen. Das Verhältnis zwischen Information, Diskussion und Erfahrungsaustausch war ausgeglichen und trug zur Bildung einer konstruktiven Atmosphäre und eines gemeinsamen Problemverständnisses bei. Offen blieb freilich, wie das Projekt weitergeführt werden kann. Sofern das Referat für Integration als zuständige Koordinierungsstelle weitere Arbeitsschritte beabsichtigt, wäre es sehr angeraten, den bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltungen bald entsprechende Mitteilungen zukommen zu lassen, damit bei ihnen das Bewußtsein über eine Fortsetzung der begonnenen Kooperation erhalten bleibt. Sonst bestünde die Gefahr, daß etliche Teilnehmer für sich das Projekt als beendet betrachten und für eine Weiterführung nicht mehr in Frage kommen. Es müßte dann mit einer neuen Werbekampagne das Interesse für das Projekt ganz neu aufgebaut werden. Im Interesse des Projektes „Offene Altenhilfe“ für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wäre es wünschenswert, diesen Aufgabenbereich zu erhalten, da bei den zuständigen Dienststellen und Institutionen wichtige Erfahrungen vorliegen, die in einen weiteren Konkretisierungsprozeß einfließen könnten. Dies würde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute kommen, die z.T. schon seit langem in diesem Bereich tätig sind und sich für weitere Anregungen interessieren.

Es ist zu vermuten, daß besonders für die MSOs eine Fortsetzung des Projektes wichtig wäre. Ganz abgesehen von dem Bedarf älterer Migranten an Rat und Tat würde sich hierdurch auch das Kooperationsverhältnis zwischen den Fachleuten und den MSOs stabilisieren, das sich im Verlauf der Veranstaltungen auf einer partnerschaftlichen Ebene gebildet hat. Welche Möglichkeiten, aber auch welche Schwierigkeiten bei dem Thema Seniorenarbeit innerhalb der MSO auftreten können, kann am besten aus der Binnenperspektive festgestellt und beurteilt werden. Hier sind die Zuwanderer selbst die geeignetsten und erfahrensten Gesprächsteilnehmer. Ihre Beteiligung an dem Projekt „auf gleicher Augenhöhe“ kann wichtige Synergieeffekte auslösen.
Aus anderen Zusammenhängen im Bereich der Gemeinwesenarbeit ist bekannt, daß ein Vorhaben, das sich auf einen Stadtteil oder ein Wohnquartier bezieht, umso mehr Zustimmung bei der lokalen Bevölkerung erzielt, je deutlicher folgende drei Kriterien erfüllt sind:

Erstens: Es muß eine konkrete, praktische Aufgabenstellung vorliegen, deren Erfüllung hohe Priorität hat.

Zweitens: Die Aufgabe muß eng definiert, d.h. übersichtlich, begrenzt und bewältigbar sein.

Drittens: Das Projekt muß einen ersichtlichen Nutzeffekt für die Zielgruppen aufweisen.

Der Baustein „Offene Altenhilfe“ erfüllt diese Kriterien sehr präzise. Das Vorhaben gilt allgemein als einer der zentralen Arbeitsbereiche in der lokalen Integrationspolitik. Das Vorhaben führt zwei Handlungsfelder der sozialen Arbeit zusammen: Migrationsarbeit und Seniorenarbeit. Aus beiden Bereichen wurde u.a. aus den Duisburger Integrationskonferenzen ein deutlicher Arbeitsauftrag entwickelt, der bei der Formulierung des Konzeptes weitergeführt wurde. Unbestreitbar ist schließlich der Nutzen des Vorhabens: Nicht nur profitieren ältere Migranten unmittelbar von den zu entwickelnden Informations- und Unterstützungsangeboten, auch die Entlastung, die für die Angehörigen von einem gelungenen Projekt ausgeht, ist zentraler Bestandteil des Ergebnisses. Es trägt zu einem entspannteren Verhältnis zwischen Senioren und ihren Angehörigen bei.

Mit den bisherigen Veranstaltungen im Rahmen des Projektbausteins „Offene Altenhilfe“ konnte ein Ergebnis im Sinne eines sich an der Basis vollziehenden Entwicklungs- und Qualifizierungsprozesses erwartungsgemäß noch nicht erreicht werden. Zwar hat, wie oben ausgeführt, die Vernetzung unter den beteiligten Institutionen eindeutig an Qualität gewonnen. Und dieses Ergebnis muß hoch bewertet werden. Es ist eine wichtige Voraussetzung für die folgenden Schritte. Im Grunde genommen – dies wird erst beim Aufschreiben dieser Überlegungen wirklich klar – handelt es sich bei dem Projektbaustein um zwei Vorhaben. Das eine ist die Vernetzung der Institutionen untereinander und mit den MSOs. Dies hat begonnen und bedarf der Fortsetzung. Das andere ist die Qualifizierung von ehrenamtlich tätigen Personen und hat noch nicht begonnen. Diese Aufgabe ist der Gegenstand der hier angestellten Überlegungen. Das eigentliche Ziel der Qualifizierung, so wie es der Verfasser dieser Zeilen versteht, ist zwar angesprochen worden, aber noch nicht Gegenstand konkreter Überlegungen und Erörterungen gewesen. Um Mißverständnissen vorzubeugen, soll dieses Ziel an dieser Stelle nochmals präzisiert werden, um daraus Schlußfolgerungen für eine Weiterarbeit ziehen zu können: Es geht darum, aktive Mitglieder der MSOs für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich der Seniorenbetreuung zu qualifizieren. Der Anspruch dieser Qualifizierung kann nicht darin bestehen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Altenpflegern auszubilden. Das Ziel der Maßnahme ist es vielmehr, diese Personen zu befähigen, den Beratungs- und Unterstützungsbedarf älterer Menschen zu verstehen und ihnen mit Empathie zu begegnen sowie ihnen dabei zu helfen, sich mit der Bitte um Information und Ratschläge an die zuständigen Stellen zu wenden. Damit üben die entsprechend geschulten ehrenamtlich arbeitenden Personen einen Vermittlungsdienst zwischen den unterstützungsbedürftigen Senioren und den professionellen Mitarbeitern der öffentlichen Einrichtungen aus. Die Modalitäten einer solchen Qualifizierung müssen im Rahmen eines weiterführenden konkreten Konzeptes neu formuliert werden. Dazu kann an dieser Stelle kein Beitrag geleistet werden. Wohl aber sind einige Stichworte zu nennen zu der Frage, welche Bereiche bei konzeptionellen Überlegungen zu der Qualifizierungsmaßnahme berücksichtigt werden sollten. Sie sind hier in unsystematischer Reihenfolge aufgeführt und absolut unvollständig. Sie stellen allenfalls den bescheidenen Beginn einer Checkliste dar, die zu ergänzen ist.

Zur Frage der Nutzung vorhandener Angebote für die Qualifizierung interessierter Personen ist vermutlich das Institut für Aus- und Fortbildung/Studieninstitut der Stadt Duisburg ein interessanter Gesprächspartner, der auch weitere Kontakte erschließen könnte. Bei der Wiederaufnahme des Gesprächs mit den MSO sollte festgestellt werden, welche Gruppen (v.a. Frauengruppen) es in den größeren Vereinen gibt, die sich mit bestimmten sozialen Aufgaben beschäftigen. Personen aus solchen Gruppen sind am ehesten zur Teilnahme an einer Qualifizierung für ehrenamtliche Tätigkeiten zu motivieren.

Ein interessantes Projekt, dessen Erfahrungen für das Vorhaben „Offene Altenhilfe“ nutzbar gemacht werden könnten, ist die Geschäftsstelle des „Integrationslotsennetzwerk“, das durch das Referat für Integration selbst durchgeführt wird. Es ist durchaus denkbar, daß interkulturell interessierte und sozial engagierte Menschen es reizvoll finden, eine Lotsentätigkeit in dem beschriebenen Rahmen durchzuführen.

Wenn es gelingt, einen Kreis von Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die geplante Qualifizierung zu gewinnen, dann sollte für diese Personen ein interessantes und motivierendes Programm entwickelt werden, das an keinem einzigen Punkt langweilig sein darf. Die einleitenden Veranstaltungen der vergangenen Projektphase waren für den überwiegenden Teil der Zuhörer geeignet. Für die bevorstehende Realisierungsphase wären sie fehl am Platze.

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